FLATLAND - Peter Klare
Peter Klare verbindet in seinen Arbeiten unterschiedliche ästhetische Entwürfe miteinander. Er verwendet dabei seine eigene Bildelemente, bringt aber auch die Bildsprache anderer Künstler, seien es Zeitgenossen oder Künstler vergangener Epochen, mit ins Spiel. Zum Teil sind es nur kleine Anspielungen, an anderer Stelle auch archetypische Zitate.
Zweifelsohne ist die künstlerische Strategie Klares eng mit der Kunstgeschichte und ihren strukturellen Verflechtungen vernetzt. Die geläufige Kunstgeschichte bleibt, mit ihrer polarisierenden Mechanik und ihren Ismen, aus mehr oder weniger positivistischen Tendenzen, vergleichsweise eingeschränkt. Dabei wird sie jedoch der Kraft einer Kunst nicht gerecht, die im Stande ist sich abseits von Konventionen ideologieübergreifend zu entfalten.
In der Ausstellung FLATLAND begegnen wir einem System, in dem unterschiedliche ästhetische Stilmittel ineinander verwoben sind. Fotografie und Malerei spielen sich hier nicht gegenseitig aus, sondern gehen eine Synergie ein, um das gängige Terrain zu erweitern. Es wird deutlich, dass jedes Kunstwerk eine logische Konsequenz aus Kunstwerken vergangener Epochen ist. Dem strategischen Konzept liegt eine poetische Linie zugrunde, die Klare verfolgt, ohne sich dabei medial festzulegen oder gar auf Rezepturen zurückzugreifen.
Die orginäre Kraft in Klares Werk entspringt einem sensiblen, emotionalen Grundprinzip, mit dem es ihm gelingt, die irritierende Distanz zwischen Intellekt und Gefühl zu füllen.
Klares Gemälde entstehen an verschiedenen Orten in der Natur und werden anschliessend vom Künstler fotografisch dokumentiert. In den Fotos verschmelzen die physische Wirklichkeit mit der nicht-dreidimensionalen Welt der Gemälde. Die hinter der Malerei liegende Vorstellungswelt integriert sich in die Realität und führt ferner über sie hinaus.
An anderer Stelle bilden präzise Landschaftsfotografien den Ausgangspunkt, die mittels Malerei manipuliert werden. Kleine Pinselstriche werden zu übergroßen Gebilden. Mal überhöht die Malerei die fotografierte Welt, mal ist es ein Detail im Foto, das die Malerei sichtbar macht.
Tatsächlich ist das formelle Wechselspiel zwischen Fotografie und Malerei vielschichtig und wirft im Ergebnis nicht nur ästhetische, sondern auch philosophische Fragen auf. Im Schnittpunkt der Translationen, erschafft Klare eine Welt der Scheinbarkeiten.
Das gemalte Bild innerhalb der Fotografie fügt eine phenomenologische Komponente ins Fotodokument ein, wohingegen der menschliche Eingriff der Malerei auf der Fotografie uns aus dem metaphysischen Raum der Fotografie zurück in die berührbare Wirklichkeit führt.
Mit Peter Klares Arbeiten werden wir eingeladen dogmatische Konzeptionen hinter uns zu lassen und einem Impetus zu folgen, der sich frei von kunstgeschichtlichen Konventionen bewegt.
Indem sich Peter Klare mit scheinbarer Strenge nahezu selbst ausbeutet, propagiert er – ähnlich wie die Künstler des Barock - einen Glauben an die Kunst, der es ermöglicht das zerbrechliche Konzept, welches wir Wirklichkeit nennen, in eine kunstvolle Illusion zu verwandeln.

